Es war einmal ein kleines Mädchen- Eine Geschichte
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Es war einmal ein kleines Mädchen. Das malte wunderbare Bilder aus ihrer Fantasie. Sie malte Tiere, die aussahen als kämen sie aus einer anderen Zeit. Figuren, die sie mit ihren zwei Jahren, noch nirgendwo anders gesehen haben konnte. Weder in Büchern oder in Filmen noch sonst wo. Sie brachte zu Papier, was aus ihrem inneren Selbst kam. Das Mädchen wurde größer und älter. Sie malte immer noch gut und sehr gerne. Doch diese Bilder malte sie nie mehr. Die Fantasiefiguren verschwanden. Sie malte das was sie draußen sah, so wie alle anderen Kinder. Im Kindergarten freuten sich alle über das was sie malte. Die Blumen, die Vögel, die Häuser, die Menschen in den Bildern durften noch so aussehen, wie sie es wollte. In der Schule brachte die Lehrerin ihr bei, wie die Blumen auszusehen haben. Es gibt Arbeitsaufträge: „Heute malen wir schwedische Häuser.“ Für richtige schwedische Häuser gibt es eine gute Note. Mehr und mehr zweifelte, ob sie wirklich gut malen kann. Und eines Tages hörte sie auf Bilder zu zeichnen. Sie vergaß es. Sie war älter geworden. Andere Dinge wurden wichtiger. Mathematik, Geschichte, Englisch, Physik und auch Chemie. Gute Noten. Ein gutes Zeugnis. Damit aus Dir mal was wird. Ein guter Schulabschluss. Eine vernünftige Berufswahl. Dann der Mann des Lebens. Heirat. Kinder. Das Leben nimmt seinen Lauf. Sie sieht, wie Ihre Kinder malen. Und erinnert sich. Doch es ist zu lange her, um damit nochmal anzufangen. Doch so ganz allmählich verändert sich ihr Leben in eine ungewohnte Richtung. Die Kinder werden älter. Mit ihrem Mann verbindet sie immer weniger Gemeinsames. Der Beruf füllt Sie auf einmal nicht mehr aus.
Und dann erzählte Ihre Mutter ihr folgende Geschichte: „Es war einmal ein kleines Mädchen. Das malte wunderbare Bilder aus ihrer Fantasie. Sie malte Tiere, die aussahen als kämen sie aus einer anderen Zeit. – Und dieses Mädchen warst Du.“
© Ralf Hungerland, Hamburg 19. Dezember 2009
…um wirklich das zu tun, was ganz tief von innen kommt, ist es niemals zu spät, auch wenn es vielleicht lange her ist…oder andere meinen man müsse etwas anderes tun…ich hoffe sehr, dass das Mädchen bald wieder malt.
birgit - Dienstag, 22. Dezember 2009 at 16:13 UhrPassend zum Jahresende! Mache mir derzeit auch viele Gedanken darüber, was ich wohl Vergessenes in mir schlummern habe… danke für den Anstoß!
Gary - Mittwoch, 30. Dezember 2009 at 16:52 UhrTolle Metapher – bin übrigens hier gelandet durch WKW, wo Kati Hein deinen Beitrag über Manipulation verlinkt hat
Kerstin - Donnerstag, 28. Januar 2010 at 11:30 Uhr