Rückführung in vergangene Leben
Rückführung in vergangene Leben

Im Oktober letzten Jahres starb im Alter von 86 Jahren der Schweizer Mathematiker, Philosoph und Theologe Alexander Gosztonyi (Foto). Er gilt als einer der Väter der Rückführungstherapie. Sein Schüler Ralf Hungerland wird zusammen mit Gosztonyi Witwe und langjähriger Wegbegleiterin Rita-Maria dessen Arbeit fortsetzen. Im Mai bieten sie zum ersten Mal in Hamburg eine Ausbildung zum Spirituellen Lebensberater und Rückführungsleiter an
Ralf, wie hast du Alexander Gosztonyi erlebt? Foto: Alexander Gosztonyi
Er war ein leiser Mensch, zurückhaltend, aber in seinen Ansichten ganz klar. Er hat sich hingestellt und gesagt, die Reinkarnation ist eine Erfahrungstatsache, ich mache seit fast 50 Jahren Rückführungen, ich habe drei bis fünf Patienten am Tag, und alles, was ich hier sage, kommt aus diesem Erfahrungsschatz. Da ist nichts hinzugefügt und ich beziehe mich nicht auf andere. Er hat das auch nicht diskutiert. Er sagte, das ist meine Erfahrung, ihr könnt es nehmen oder auch lassen, und das hat mich schon sehr beeindruckt. Wie sehr er in seinem Wissen, seiner Philosophie gefestigt war.
Welchen Sinn hat eine Rückführung?
Der Sinn von einer Rückführung kann sein, Probleme oder emotionale Blockaden zu lösen, zu heilen. Sie kann einem aber auch helfen herauszufinden, was ist meine Lebensbestimmung, was ist meine Aufgabe hier auf Erden.
Wie bist du zu Rückführungen gekommen?
Ich habe das in meiner Ausbildung zum Hypnosetherapeuten kennen gelernt. Damals war das für mich ganz fremd, ich hatte überhaupt noch nie davon gehört. Uns wurde im Rahmen dieser Ausbildung ein Weg gezeigt, wie man jemanden in ein voriges Leben schicken kann. Das hatte damals erst mal keinen therapeutischen Kontext, sondern es ging nur darum, diese Reise anzutreten. Und bei meinem eigenen ersten Erlebnis ging es auch eher um die Imagination eines früheren Lebens, wodurch mir klar wurde, wie wichtig mir Werte wie Harmonie, Frieden und innere Ruhe sind.
Wann hast du die Rückführung für deine Arbeit entdeckt?
Das hat sich im Laufe der letzten fünf Jahre erst richtig entwickelt. Irgendwie gab es eine Parallele zu der Energiearbeit mit Reiki. Es kamen immer mehr Menschen zu mir, die an esoterischen Themen Interesse hatten. Dazu kam, dass ich sehr viel mit dem NLP-Format der Timeline arbeite, das ist die Rückführung in die Kindheit. Man macht das, um den Ursprung eines Problems zu finden, beispielsweise einer Phobie oder anderen Ängsten, und es mit bestimmten Techniken dann zu lösen und zu heilen. Foto: Ralf Hungerland
Und in der ersten Zeit meiner Coachings und auch der NLP-Ausbildung haben sich interessanterweise diese Themen immer in der Kindheit gefunden oder kurz nach der Geburt, aber niemals davor. Jedenfalls habe ich da nichts entdeckt, und vielleicht war ich dafür auch nicht offen. Aber in den letzten fünf Jahren hat sich immer öfter herauskristallisiert, die Ursache ist gar nicht in diesem Leben angesiedelt, und wenn dann auch der Klient oder die Klientin offen dafür ist, dann gehe ich mit denen auch in ein voriges Leben.
Wie erklärst du dir diese Entwicklung?
Ich glaube, es gibt mehrere Erklärungen. Die spirituelle Erklärung ist die, dass die Zeit inzwischen reif dafür ist, dass es heute leichter geworden ist, Menschen in einen Zustand zu führen, in dem man sich das anschauen kann. Es scheint so etwas wie ein Tor geöffnet worden zu sein. Die zweite Erklärung ist ganz einfach die, dass sowohl ich als auch die Klienten offener geworden sind, dass sich immer mehr Menschen auf diese Erfahrung einlassen können. Dazu kommt, dass die Rückführung selbst bei Klienten, die nicht daran glauben, funktioniert. Sie sind dann manchmal sehr überrascht, was sie an Bildern geliefert bekommen.
Wie läuft eine Rückführungssitzung ab?
Zu Beginn der Sitzung definieren wir das Problem in diesem Leben, also beispielsweise Angst in engen Räumen, Probleme sich in Beziehungen zu binden, hoher eigener Leistungsanspruch oder Angst zu versagen. Ich selbst nutze zwei verschiedene Wege, um einen Menschen in die Vergangenheit zu führen. Mittels einer kleinen Trance-Induktion mache ich das Gegenwartsproblem für den Klienten gefühlsmäßig präsent und bestimme das Leitgefühl. Mit diesem Leitgefühl führe ich den Klienten immer weiter in die Vergangenheit zurück. Ich lasse dann erst mal offen, ob der Ursprung des Problems sich in diesem Leben zeigt, oder ob wir in ein voriges Leben zurückgehen. Und das muss dann nicht unbedingt das Leben vor diesem Leben, das kann auch mehrere Leben davor sein.
Findet diese Form der Rückführung also in tiefer Trance statt?
Das ist immer eingeleitet mit einer Trance-Induktion, aber das ist keine tiefhypnotische Trance wie viele glauben. In diesem Fall ist es ein tiefer Entspannungszustand, in dem man alles mitbekommt, also wach ist, aber durch die Trance leicht Kontakt zum Unterbewusstsein und eben auch zur spirituellen Welt aufbauen kann.
Das ist der eine Weg, und die andere Methode ist die, die auch Alexander Gosztonyi angewandt hat. Das läuft dann über sogenannte Imaginationsreisen, dass man sich eine Treppe in den Himmel vorstellt oder einen Ballon, der in den Himmel fährt oder auch, wie Gosztonyi das gerne gemacht hat, in einen Brunnen hinabsteigt oder in einen Keller. Man baut also eine Imagination auf, um die jetzige Welt zu verlassen und in eine neue Welt einzutreten. Und dann ist immer spannend, was da kommt.
Kann man eine Rückführung auch einfach so machen? Ohne an einem konkreten Problem arbeiten zu wollen?
Das geht zum Teil auch. Aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass, wenn diese Menschen in ein Vorleben eintauchen, sich immer etwas zeigt, was mit den Themen von heute zu tun hat. Das muss kein Problem sein, das können ganz allgemeine Lebensthemen sein. So wie ich das mache, ist die Rückführung keine Erkundungsreise um festzustellen, habe ich schon mal in Rom gelebt und wie sahen die Gebäude damals aus, und was für einen Beruf hatte ich eigentlich, sondern es geht vielmehr darum, was hat mich damals bewegt, was ist mir da passiert, wie habe ich gelebt, war ich mit vielen Menschen zusammen oder war ich eher ein Einzelgänger.
Also es gibt immer Grundthemen, die dann zu Tage kommen. Man kann das auch nicht beeinflussen. Das ist eine spirituelle Arbeit, das heißt, man bekommt die Bilder und Szenen gezeigt, die aus einer höheren Sicht für einen nützlich sind, und nicht das, was man bestellt.
Wie verarbeitet man das, was man in einer Rückführung sieht? Vor allem, wenn es etwas Schlimmes ist?
Aus meiner Sicht ist es nicht damit getan, sich das Vorleben nur anzuschauen, sondern es ist wichtig, das, was ich da erlebe, aufzuarbeiten, und da gibt es mehrere Möglichkeiten. Die eine Möglichkeit ist ein inneres Erkennen und Verstehen, also nicht nur vom Kopf, sondern auch vom Gefühl her, und es damit auch loslassen und wirklich auch in dem früheren Leben belassen zu können. Ein weiterer Weg ist, zu sehen, wie kann ich diese Geschichte mit meinem heutigen Wissen, mit meiner heutigen Erfahrung verändern, so dass dann sozusagen zwei Geschichten nebeneinander bestehen und die Kopplung an das negative Gefühl aufgehoben ist. Noch ein Weg könnte sein, dass man sich mehrere Leben anschaut, um die karmischen Zusammenhänge zu erkennen. Warum gibt es immer wieder Verstrickungen mit bestimmten Menschen? Oder warum muss ich etwas ertragen, was sind die Zusammenhänge des Ganzen.
Manche Zusammenhänge kann man in einer Sitzung schon erkennen, aber es kann auch durchaus sinnvoll sein, dann mehrere Rückführungssitzungen zu machen. Wenn der Klient oder die Klientin diese karmischen Zusammenhänge annehmen kann, dann ist ein erster Schritt zur Heilung getan. Nach meiner Erfahrung ist allein schon das bewusste Anschauen ein wertvoller Beitrag zur Lösung. Der Heilungsprozess kommt in Gang.
Wie sieht die Ausbildung aus, die du zusammen mit Rita Maria Gosztonyi anbietest?

Das sieht so aus, dass wir das, was Alexander Gosztonyi entdeckt und erfahren hat, als theoretische und spirituelle Basis nehmen werden. Im Vordergrund der Ausbildung steht jedoch die Praxis, also welche Möglichkeiten gibt es, jemanden in vorige Leben zu führen und was mache ich, wenn jemand da beispielsweise sieht, wie er auf dem Scheiterhaufen verbrennt, oder starke Emotionen hoch kommen. Es gibt bestimmte Techniken, jemanden dann aus diesem Gefühl heraus zu holen, damit das Erleben gut anschaubar ist. Und das sind wichtige Werkzeuge, die man braucht, um diese Arbeit überhaupt machen zu können. Foto: Rita Maria Gosztonyi
Ich weiß noch, was Alexander Gosztonyi sagte, als ich selbst meine Ausbildung bei ihm gemacht habe. Er sage, die Rückführung ist eine Erfahrungstatsache. Für ihn ist auch die Reinkarnation eine Tatsache gewesen. Aber in erster Linie ging es ihm darum, dieses Werkzeug zu nutzen. Er sagte, wenn es uns gelingt, Probleme aufzulösen, die wir ohne diese Arbeit nicht auflösen oder heilen können, dann ist das ein wertvoller Beitrag.
Buchtipp:
ALEXANDER GOSZTONYI: Grundlagen und Praxis der Rückführungstherapie. Das Schicksal des Menschen aus Sicht der Reinkarnationslehre • Windpferd 2009 (5. Aufl.), geb., 1.269 Seiten, 58 Euro
Quelle: KGS Online Magazin Februar 2012